Holzbau-Unternehmen Weissenseer in Greifenburg blickt auf lange Erfolgsgeschichte zurück. Jetzt folgen Schritte nach Skandinavien und Nordamerika sowie Investitionen in Standort.

Vor mittlerweile 90 Jahren begann unweit des Weissensees eine Erfolgsgeschichte, die sehr eng mit dem Baustoff Holz verbunden ist. Zunächst beschäftigte sich das Unternehmen mit klassischen Zimmermannskonstruktionen, doch mit der Zeit rückte die Elementbauweise und der mehrgeschossige Wohnbau zunehmend in den Fokus. 

Zu tun hat diese Entwicklung auch mit dem Werdegang von Eigentümer und Geschäftsführer Christof Weissenseer. Mit 19 Jahren zog es ihn nach Kanada, wo er im Holzbauunternehmen seines Onkels jobbte. „Schon zur damaligen Zeit wurden in USA 5-bis 6-Geschosser aus Holz errichtet, die mit Hilfe vorgefertigter Elemente auf der Baustelle montiert wurden“, erzählt Weissenseer. Zurück in Österreich, wo er bereits mit 21 Jahren den elterlichen Betrieb übernahm, rückte er die Systematisierung in den Fokus und legte somit den Grundstein einer beispiellosen Erfolgsstory.

Visionäres Denken in anderen Maßstäben

Heute gilt die Firma Weissenseer als eines der innovativsten Unternehmen seiner Branche und sorgt mit seinen Projekten immer wieder weltweit für Aufsehen. Nachhaltigkeit, schonender Umgang mit Ressourcen und Energieeffizienz sind seit Jahrzehnten fest in der Unternehmens-DNA der Weissenseer verankert. „Als Unternehmen mit einer derart langen Tradition im Holzbau, denken wir in anderen Maßstäben. Was uns antreibt, ist die Frage: Wie schaffen wir es, für unsere Kinder und Enkelkinder eine intakte und lebenswerte Welt zu hinterlassen?“, so Weissenseer.
Bereits 1998 baute die Firma das erste Passivhaus. Der nächste Meilenstein folgte 2006 mit der Errichtung des ersten energieautarken, schwimmenden Passivhauses aus Holz, das sich mit dem Sonnenstand dreht und somit die solare Energie optimal nutzt. Die Erkenntnisse mehrere Forschungsprojekte flossen in diesen Bau mit ein und seither steht die enge Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen an der Tagesordnung. Die Idee, qualitativ hochwertige Gebäude zu schaffen, die unabhängig von herkömmlicher Energieversorgung funktionieren, hat das Weissenseer-Team nie mehr losgelassen.

Kompakteste Fabrik der Welt

2008 übersiedelte Weissenseer nach Greifenburg in die „kompakteste Fabrik der Welt“, wo auf minimalem Raum eine maximale Produktionsleistung erzielt wird. Hier hat man eine völlig neue, nach Zeit- und Platzkriterien optimierte Produktionslinie errichtet, die die Bauzeit eines Passivhauses deutlich reduziert. Außerdem muss die „kompakteste Fabrik der Welt“, in der die Fertigungshalle sowie Büroräumlichkeiten untergebracht sind, kaum zusätzlich beheizt werden. Die Abwärme der Maschinen, die optimierte Gebäudestruktur mit internen Heizquellen sowie großer Glasfenster reichen aus, um die Fabrik warm zu halten. Damit erfüllt sie den Passivhausstandard und dient als Modell für verschiedene Objekte, die Weissenseer seither realisiert hat.

Besondere Projekte

Auch mit der Seestadt Aspern, wo 2014 Österreichs größte Gebäudehülle aus Holz entstand oder der Realisierung der ersten Plusenergie Moschee der Welt in Kasachstan, hat sich Weissenseer längst über Österreich hinaus einen Namen gemacht. Oder 2013 wurde das Einfamilienhaus LISI bei einem internationalen Wettbewerb zum besten Solarhaus der Welt gekürt.

Blick in die Zukunft

In der „Denkwerkstatt“ in Greifenburg arbeiten 50 Mitarbeiter in unterschiedlichsten Funktionen an der Entwicklung visionärer Zukunftsprojekte und denken nachhaltiges Bauen weiter. Bereits in der Planung macht man sich nicht nur Gedanken über die Errichtung, sondern auch über die spätere „Entsorgung“ eines Gebäudes. Man versucht den Ressourcenverbrauch möglichst gering zu halten und solchen Materialien den Vorzug zu geben, die entweder komplett biologisch abbaubar sind oder ohne großen Qualitätsverlust wieder recycelt werden können.

…und über die Grenzen

Ein Konzept, das künftig nicht nur österreichische Kunden mit nachhaltigem Wohn- und Arbeitsraum versorgen soll. Denn schon in den letzten Jahren gründete Weissenseer Schritt für Schritt Standorte in Deutschland (Berlin, 2016), in Kasachstan (2017) und Österreich (Wien, 2017).
Nach ersten Projekten in postsowjetischen Ländern und in China will man am skandinavischen und nordamerikanischen Markt Fuß fassen. Aber auch am Standort Greifenburg wird in den nächsten zwei bis vier Jahren kräftig investiert, unter anderem in eine neue Lagerhalle und in die Installation einer Fertigungslinie, die die Produktion vorgefertigter Bad- und Technikmodule erlaubt. Maßnahmen wie diese sollen dazu beitragen, den Umsatz im Bereich Einfamilienhäuser von aktuell fünf auf rund 15 Mio. Euro im Jahr 2024 wachsen zu lassen.

Quelle: meine Woche/Thomas Dorfer